Valldemossa: Reise in die Mittelalter-Märchenwelt

» Haltet die Uhren an. Vergesst die Zeit. Ich will euch Geschichten erzählen. «

– James Krüss.

Und mit „ich” meine ich in diesem Fall nicht mich, die Geschichten erzählen will, sondern Valldemossa, einen kleinen Ort im Westen Mallorcas. Denn genau das ist es, was mir durch den Kopf geht, als ich nach Valldemossa komme. Dass dieser Ort so viel ausstrahlt, so viel Geheimnis, Vergangenheit, eben Geschichten in sich birgt, die nur darauf warten gehört und aufgeschrieben zu werden.

Es wundert mich nicht, dass viele Künstler und Musiker im Laufe ihrer Karriere nach Valldemossa gereist sind, oder dass man auch hier wieder einige Galerien und Ateliers findet. Denn der Ort liefert einfach unglaublich viel Inspiration. Diesmal besuche ich auch tatsächlich eines der kleinen Kunst-Studios. Auf einem Bild ist ein kleiner Frisörsalon aus Valldemossa zu erkennen, und selbst der strahlt so viel aus. Er ist altmodisch, keine Frage, aber dabei wunderbar charmant. Das kann jetzt an dem Maler liegen, oder an dem Ort. Ich beschließe es ist die Kombination aus beidem.

Denn was auf den Frisörsalon zutrifft, kann man auf den ganzen Ort übertragen. Jede Gasse, jedes Haus wirkt so charmant, so warmherzig, so einladend. Sie bewegen mich dazu, stehen zu bleiben, und tatsächlich die Zeit zu vergessen. Valldemossa hat eine Ausstrahlung, die kein Geld der Welt künstlich schaffen kann.

Während ich durch die Straßen von Valldemossa laufe, kann ich mich nicht ganz entscheiden: Ist es ein Märchendorf, das zu Leben erwacht ist oder doch eher die Kulisse eines historischen Mittelalter-Films? Eine Mischung von beidem irgendwie. Aber der Ort ist nicht nur schön, sondern auch traditionell.  An jedem Haus in Valldemossa hängt ein kleines Bild von der einzigen Heiligen Mallorcas, Santa Catalina Thomás, die hier geboren wurde. Jede der Fliesen ist einzigartig, und zeigt einen Ausschnitt aus ihrem Leben, sorgfältig gezeichnet. Und ganz abgesehen von der künstlerischen Qualität, zeigt es für mich wieder diese Verbundenheit der Menschen mit ihrem Ort und untereinander.

Die Zeit hält an und verfliegt zu gleich. Unmerklich vergehen Stunden, in denen ich in eine andere Welt eingetaucht bin. Ich muss mich zurückhalten, nicht an jeder Ecke ein Foto zu machen. Und dabei sind es nicht mal die Sehenswürdigkeiten, wie die alte Kirche oder das Geburtshaus von Santa Catalina, die mich fesseln. Es sind die einfachen Straßen und Häuser. Alles ist wie perfekt in Szene gesetzt, um fotografiert zu werden. Selbst eine Katze posiert brav für mich. Ich warte nur darauf, dass sie auch noch ihr Foto-Lächeln aufsetzt.

Mir hat jemand gesagt, dass er Valldemossa zu perfekt findet, so hergerichtet für Touristen. Ich denke darüber nach, als ich durch die Straßen laufe. Es stimmt, alles ist perfekt. Sauber, ordentlich, an den Blumen findet sich kein vertrocknetes Blatt. Aber auf mich wirkt es nicht gezwungen oder aufgesetzt. Für mich wirkt es einfach so, als ob hier eben Leute leben, weil sie es wollen, nicht weil sie nirgendwo anders ein Haus gefunden haben. Als ob es Menchen sind, denen ihr Heimatort noch etwas bedeutet und die ihn deshalb so pflegen und verzieren.

Vielleicht spricht da wieder die Träumerin in mir, die immer an das Gute glaubt. Vielleicht sind die Bewohner von Valldemossa tatsächlich mehr auf ihre Außendarstellung bedacht, als ich es ihnen unterstelle. Aber da ich die Wahrheit nicht herausfinden werde, kann ich genauso gut auch mein Bild von dem kleinen Märchenort behalten. Lieber male ich mir die Welt zu bunt als zu schwarz. Denn am Ende kann ich nicht beeinflussen, warum Valldemossa so ist wie es ist. Aber ich kann beeinflussen, welche Erinnerung ich davon mit nach Hause nehme.

Ausflüge


Herzlich willkommen auf der Insel des Lichts! Mallorca ist ein Paradies auf Erden, das alles bietet, auf höchstem Niveau. In Mallorquíssimo zeige ich Ihnen „meine“ Insel so, wie ich sie in über 19 Jahren kennen und lieben gelernt habe.

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