Santa Catalina – Palmas Viertel mit Wohlfühlgarantie

» Viele können ein Haus einrichten; aber nur wenige verstehen die Kunst ein Zuhause zu kreieren. «
– Unbekannt

Ich habe bis jetzt in sechs verschiedenen Häusern und Wohnungen in drei Ländern gelebt. Zuhause gefühlt hab ich dabei nicht immer. Dazu gehört für mich, dass ich nur durch die Tür gehen muss und schon angekommen bin. Und dieses Gefühl zu schaffen, ist, wie der weise Unbekannte es in dem Zitat sagt, absolut nicht einfach. Es ist die Kombination aus Menschen, Möbeln und Erinnerungen, die für mich so einen Ort schafft.

Die Cafés im Santa Catalina Viertel sind zwar auch nicht mein Zuhause geworden, aber zumindest den Teil mit den Möbeln erfüllen sie perfekt. Wenn ich könnte, würde ich mir ein paar Stücke für meine Wohnung mitnehmen. Die Einrichtung ist schlicht und gleichzeitig verspielt, vor allem individuell und liebevoll. Nichts mit online bestellen, hinstellen, fertig. Stattdessen sind Tische mit Zeitungsausschnitten beklebt, bunte Kissen machen einfache Holzbänke gemütlich und Poster an den Wenden geben den Gästen noch ein paar Lebensweisheiten mit auf den Weg. Die vielen Elemente und Details, die scheinbar nur wild zusammengewürfelt sind, zeigen eigentlich genau das Gegenteil: Nämlich, dass sich hier jemand wirklich Gedanken gemacht hat, wie man einen Ort zum Wohlfühlen schaffen kann.

Natürlich sind die Cafés nicht nur schön; vor allem sind auch die Kuchen, Baguettes und weiteren Köstlichkeiten einfach unwiderstehlich. Meine Empfehlung: Im Café La Madeleine de Proust ein Stück tarta de zanahoria – Möhrenkuchen – mit einem Cappuccino genießen. Der Möhrenkuchen hat alle anderen, die ich bis jetzt probiert habe, locker auf die Plätze verwiesen und der Schaum auf dem Cappuccino… Den muss man einfach selbst gesehen haben.

Und wo wir schon mal beim Essen sind, kann man damit natürlich auch gleich weiter machen. Gegenüber vom La Madeleine de Proust befindet sich eine weitere meiner geliebten Markthallen. Nicht so groß, nicht so voll, nicht so berühmt wie der Mercat de l’Olivar. Aber trotzdem gibt es auch hier nichts, was es nicht gibt. Da steht der Fischverkäufer, ein Stück weiter der Blumenhändler und gegenüber sind Lederwaren im Angebot. Und auch preisliche Grenzen existieren hier nicht. Es geht von der Erdbeerschale für zwei Euro bis zum Wein für mehrere hundert.

Ich kann deshalb nicht wirklich sagen, was das absolute Highlight hier ist. Aber zu meinen Favoriten gehören auch jeden Fall der Stand mit den mallorquinischen Nüssen, das Salz “Flor de Sal” vom Estrenc-Strand (der übrigens auch einer der schönsten ist, aber dazu an anderer Stelle einmal mehr) und – wie immer – die Obst- und Gemüsestände. Über die Wintermonate komme der Hauptteil der Produkte vom spanischen Festland, aber ab Mai sei alles frisch von der Insel, hat mir ein Verkäufer versprochen. Und dazu muss gesagt sein: Schon als ich da war, war alles was ich getestet habe, ausnahmslos lecker. Wie schmeckt es dann erst während des Sommers?

Vor dem Eingang zum Markt findet man selbstverständlich nicht nur das La Madeleine de Proust. Es grenzt Café an Café und Restaurant an Restaurant. Alle sehen anders aus, alle haben andere Speisen im Angebot und alle sind voll. Also wenn sich die Besitzer nicht gerade eine ausgedehnte Siesta gönnen. Vor allem junge Leute und Familien sitzen hier, lässig-chic gestyled; eben hip, ganz wie es der Ruf des Viertels erwarten lässt. Santa Catalina gilt als Trendviertel Palmas und ist zurzeit absolut angesagt, bei Mallorquinern genau wie bei Touristen. Ich weiß nicht, ob ich die Meinung teilen kann. Trend klingt für mich immer nach etwas, was in einem Jahr wieder vorbei ist und ich wüsste nicht, warum Santa Catalina bis dahin seinen Charme verlieren sollte.

Es geht mir auch nicht um angesagt oder nicht angesagt. Santa Catalina ist für mich der Inbegriff von “perfekt unperfekt” und das wiederum ist etwas, was ganz meinem Geschmack entspricht. Man findet restaurierte Gebäude, aber auch bewusst “Altgebliebene”. Es wird nicht krampfhaft versucht, jedes Gebäude in ein Haus wie neu zu verwandeln. Sie werden genommen wie sie sind und so dekoriert, dass es keine Rolle mehr spielt, ob die Häuser frisch saniert sind oder nicht. Es gilt wieder: Die Mischung macht’s. So, wie in den Cafés alle wilden Details irgendwie zusammen passen, passt auch in Santa Catalina insgesamt alles.

Santa Catalina ist ein Viertel voller Leben und zugleich wie das Leben. Ich bin mir sicher, wenn ich das nächste Mal hierher komme, werden wieder neue Bars und Restaurants in den Straßen entstanden sein. Das Viertel wandelt sich und wächst unaufhörlich, wie wir alle eben. Und bei all den unumgänglichen Veränderungen ist es immer schön, eine Konstante in seinem Leben zu haben. Zum Ausgleich, und um sich selbst nicht darin zu verlieren. Wie ich, mit meinem Möhrenkuchen und Cappuccino.

Ausflüge


Herzlich willkommen auf der Insel des Lichts! Mallorca ist ein Paradies auf Erden, das alles bietet, auf höchstem Niveau. In Mallorquíssimo zeige ich Ihnen „meine“ Insel so, wie ich sie in über 19 Jahren kennen und lieben gelernt habe.

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