Porto Petro – Sommer im Herzen, Glitzern vor Augen

» Du musst nur langsam genug gehen, um immer in der Sonne zu bleiben. «
– Antoine de Saint-Exupéry

Es gibt Orte, die überwältigen dich mit einem lauten Knall. Sie strotzen vor Energie, sind groß und schrill und man weiß gar nicht, was man zuerst beachten soll, so schnell strömen die verschiedenen Reize auf einen ein. Und dann gibt es Orte, die schleichen sich ganz leise in dein Herz. Sie sind ruhiger und bescheidener und bringen dich weniger zum Staunen. Manchmal wird einem sogar erst später klar, wie schön es dort eigentlich war.

Porto Petro gehört ohne jeden Zweifel zur zweiten Sorte. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein verschlafenes Dorf am Meer, in dem nicht viel los ist und die Fischer ganz in Ruhe ihrer Arbeit nachgehen. Und das ist alles nicht falsch, Porto Petro ist ein Dorf am Meer, wo einen eher weniger die Attraktionen des Jahrhunderts erwarten. Dafür findet man einen Ort, der einem eine Auszeit von Sorgen und Problemen gönnt und einen Hafen, der einen vor jeglicher Hektik schützt. Vielleicht ist das sogar mehr wert als sämtliche Wolkenkratzer zusammen.

Porto Petro fühlt sich ähnlich wie Porto Colom nach Sommer an, egal zu welcher Jahreszeit. Ich kann nicht genau sagen, was es ist. Vielleicht ist es ein Gefühl, dass sich automatisch bei Orten einstellt, die ein „Porto“ im Namen tragen. Für den Fall wäre ich sehr dafür, das Wort schleunigst in einige deutsche Städtenamen einzubauen. „Porto Berlin“, klingt doch eigentlich gar nicht schlecht. Es reicht schon, wenn ich mir jetzt, zurück im gerade wenig sommerlichen Deutschland die Bilder angucke. Ich kann die Sonne auf der Haut spüren, das Wellenrauschen hören, den Wind in meinen Haaren fühlen. Es ist für mich einfach Teil der Magie der kleinen mallorquinischen Fischerdörfer. Sie haben den Sommer scheinbar so sehr ausgesaugt, dass er das ganze Jahr über nie völlig verschwindet.

Vielleicht ist es auch so, wie Antoine de Saint-Exupéry es im Kleinen Prinzen schreibt. Wer langsam genug geht, bleibt immer in der Sonne. Es würde zu der südländischen Mentalität passen, dieser Ruhe und Gelassenheit. Denn diese Eigenschaften werden auch hier wieder von allem ausgestrahlt. Von Fischern wie von ihren kleinen Booten, die friedlich auf den Wellen schaukeln. Es ist ein Anblick, von dem ich nie genug bekommen werde.

Wem selbst die rund 500 Einwohner Porto Petros noch zu viel sind, der kann das Dorfzentrum – falls das schon als ein Zentrum zählt – hinter sich lassen, und auf einem mehr oder weniger ausgebauten Weg an der menschenleeren Küste entlang laufen. Oder auch ein bisschen klettern. An Tagen wie diesen, wenn Wellen schwungvoll gegen die Felsen schlagen und Tropfen meterhoch durch die Luft wirbeln, hat es das Meer nicht schwer, mich in seinen Bann zu ziehen.

Dazu glitzert es, wie mit Diamanten besetzt. Leider ist das eines dieser Naturspektakel, die mit einer Kamera kaum einzufangen sind. ich habe es versucht, habe auf den Steinen gehockt und sämtliche Einstellungen ausprobiert. Hundertprozentig gelungen ist es mir nicht und wird es wahrscheinlich auch nie, egal wie viele Bilder ich schieße. Es ist so, als ob die Natur manchmal sagen will: Geh selbst raus und guck es dir an, gib dich nicht mit Fotos zufrieden.

Wenn man ein Stück weiter läuft, um ein paar Kurven und Ecken herum, taucht hinter den Felsen eine kleine Bucht auf. Hier bedauere ich es, dass es sich zwar wie Sommer anfühlt, aber noch keiner ist. Sonst könnte mich nichts von einer Abkühlung (und damit meine ich Abkühlung und keinen Gefrierschock) abhalten. Der Ort lässt einen schon vom nächsten Urlaub träumen, im August, mit angenehmeren Wassertemperaturen. Morgens ein Picknick auf dem alten Steg, danach weiterziehen zur Bucht – die in meinem Kopfkino natürlich auch zu der Zeit verlassen statt überfüllt ist -, zum Abschluss ein Dinner mit Blick auf den Hafen. Wenn es an die Reiseplanung geht, wird ein Tag dafür reserviert werden.

Falls ich mir jemals meinen Kindheitstraum von einem eigenen Roman erfüllen sollte, dann wäre Porto Petro der Ort, an dem ich ihn schreiben würde. Wo ich es vielleicht mal über die ersten fünf Seiten hinaus schaffen würde. Hier, in der Stille, wo man ganz bei sich sein kann. Ganz abseits meiner gewohnten Welt, scheint mir der perfekte Platz um eine neue zu erfinden.

Ausflüge


Herzlich willkommen auf der Insel des Lichts! Mallorca ist ein Paradies auf Erden, das alles bietet, auf höchstem Niveau. In Mallorquíssimo zeige ich Ihnen „meine“ Insel so, wie ich sie in über 19 Jahren kennen und lieben gelernt habe.

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