Mercat de Olivar, Palma de Mallorca

Endlich kann ich ihn mal verwenden, diesen Spruch, der schon lange ganz weit oben auf der Liste meiner Lieblingszitate steht. Vielleicht weil ich gerne tanze. Vielleicht weil ich von Natur aus eher optimistisch veranlagt bin. Und vielleicht auch, weil ich Regen, Stürme und alles was dazu gehört absolut nicht ausstehen kann, und dieses Zitat mich daran erinnert, dass ich am nassen Wetter zwar nichts ändern kann, aber sehr wohl an meinem Umgang damit. Also, statt bei Regen von Unterschlupf zu Unterschlupf zu rennen, wird in Zukunft mit den fallenden Tropfen um die Wette getanzt. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass das nirgendwo so gut geht wie in Palma, in und um den Mercat de l’Olivar.

Gut, in dem Mercat selbst tanzt man natürlich eher weniger im Regen, denn der ist Palmas größte Markthalle. Für mich stellt er aber den perfekten Ausgangspunkt dar, um einen verregneten Tag in der Inselhauptstadt zu beginnen und trotzdem zu genießen. Denn man muss ja realistisch sein: Auch auf Mallorca ist man vor Regenwolken nicht sicher. Und bevor man sich an solchen Tagen in seinem Zimmer verkriecht, schlemmt man sich besser durch zahlreichen Stände mit Obst, Gemüse, Fisch, Tapas, Wein… also eigentlich allem.

Im Mercat de l’Olivar gibt es nicht nur alles, sondern alles auch in Überfluss. Erdbeeren sind in riesigen Bergen aufgetürmt und eine ganze Halle ist nur Fisch in zahllosen Arten und Variationen gewidmet. Ob roh, frisch zubereitet oder in Sushi verpackt – ich glaube, es gibt keinen Fischliebhaber, der hier nicht genau das findet, was er sucht. Die Halle ist aber nicht nur voll mit Fisch, sondern auch mit Menschen. Die Massen strömen durch jeden einzelnen Gang und bestaunen jeden einzelnen Stand, obwohl für mich scheinbar an jedem von ihnen das Gleiche verkauft wird. Aber einen Besuch ist das Spektakel wert, allein schon wegen der mit Abstand riesigsten Thunfische die ich je gesehen habe.

(und nein, das auf dem folgenden Bild ist keiner der besagten Thunfische). In der Obst-und Gemüseabteilung geht es ein bisschen zu wie auf einem deutschen Bürgeramt. Viel lebendiger natürlich, lauter und bunter, aber bevor man die Chance hat, etwas zu kaufen, muss man doch tatsächlich eine Nummer ziehen. Da ist nichts mit einfach anstellen und freundlich winken, um die Aufmerksamkeit der Verkäufer zu erlangen, hier wird strikt nach Reihenfolge vorgegangen. Ein paar Minuten Wartezeit muss man da einplanen. Aber keine Sorge, auch die ist deutlich erträglicher als in den Ämtern.

Und was man am Ende in den Händen hält, lohnt sich mindestens so sehr wie ein neuer Personalausweis. Wenn man den Mercat de l’Olivar verlässt, ist nicht etwa Ende mit Shoppen; dann geht es erst richtig los. Rund um die Markthalle reiht sich Geschäft an Geschäft. Edle Weine folgen auf Kaffeemarken aus aller Welt, neben Brautkleidern werden Produkte aus Olivenöl und Tortenkunstwerke verkauft. Die Zusammenstellung der Läden ist definitiv ungewöhnlich, aber interessant.

Und das ein oder andere Souvenir abseits der typischen Armbänder, Schlüsselanhänger oder Magneten aus Massenproduktion in China kann man hier auf jeden Fall entdecken. Noch ein Stückchen weiter, erwartet einen dann meine liebste Shopping-Straße in Palma: Die Calle San Miguel.

Hier findet man einfach alles: Bekannte Marken und kleine Boutiquen, dazwischen liegen immer wieder gemütliche Cafés und Eisdielen mit unglaublichen hausgemachten Kreationen. Eins steht fest, ein Diät-Tag wird ein Nachmittag um den Mercat de l’Olivar mit Sicherheit nicht. Aber man verbringt, oder zumindest verbringe ich, eh viel zu viel Zeit damit, auf Kalorien zu achten, da gilt für die Zeit hier: Einfach mal abschalten, gönnen, genießen.

Eine Sache, die das Tanzen im Regen extrem erleichtert, ist die Musik, die einen hier begleitet. Und zwar von Straßenmusikern, die, soweit ich sie gehört habe, durchweg Talent haben und nicht nur verzweifelt versuchen, ihrem Instrument einen halbwegs annehmbaren Ton zu entlocken. Und so geht es mit Einkaufstüten in der einen Hand, einem Eis in der anderen, Musik im Ohr und neuen Bildern im Kopf durch die schmale Fußgängergasse. Bilder, die mir zeigen, dass eine Stadt ihre Schönheit nicht verliert, nur weil graue Wolken über ihr hängen und Regentropfen herabfallen. 

Jedes Mal, wenn ich hier unterwegs bin, zeigt Palma mir eine andere Seite von sich, jedes Mal entdecke ich etwas Neues. Ob es ein anderes Café ist, eine kleine Straße oder auch nur eine Eissorte, die ich so noch nirgendwo gegessen habe. Die Stadt schafft es, dass ich nicht nur die gleichen Plätzen besuche, sondern immer in verschiedenen Ecken ende. Palmas Lebendigkeit ist unwiderstehlich, in Markthallen genauso wie in den Straßen, zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter. Sie schützt mich vor Stillstand, vor Routine und Alltagstrott. Sie ist mein Rezept für gute Laune an verregneten Tagen.

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Herzlich willkommen auf der Insel des Lichts! Mallorca ist ein Paradies auf Erden, das alles bietet, auf höchstem Niveau. In Mallorquíssimo zeige ich Ihnen „meine“ Insel so, wie ich sie in über 19 Jahren kennen und lieben gelernt habe.

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