Kathedrale von Palma – Überraschend anders

Unser Mallorquissimo Ausflugstipp

» Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben. «

– Christian Friedrich Hebbel

Ich habe mal in meinem ersten Artikel über Palma geschrieben, dass man auf meinem Blog keine der berühmten Sehenswürdigkeiten finden wird. Weil man dazu bereits genug bei Google findet und weil die Stadt so viel mehr zu bieten hat. Jetzt muss ich doch gegen meine eigene Ankündigung verstoßen. Denn nachdem ich geschätzte 100-mal an der Kathedrale vorbei spaziert, geradelt und gefahren bin, konnte ich ihr nicht mehr widerstehen. Und jetzt kann und möchte ich euch nicht vorenthalten, was sich hintern den Wänden verbirgt.

Der Kathedrale von Palma wurden verschiedene Spitznamen verliehen. La Seu ist einer von ihnen und bedeutet auf Katalanisch so viel wie Bischofssitz. Und dann wäre da noch „Kathedrale des Lichts“. Ich schätze, der Name kommt vor allem durch die großen Rosettenfenster, die so manches Lichterspektakel produzieren können, wenn die Sonne im richtigen Winkel darauf scheint. 

Die Kathedrale ist nicht so prunkvoll wie ich es erst erwartet hatte und wie ich es in anderen Kirchen schon erlebt habe. Aber kein Grund enttäuscht zu sein, es gibt ja mehr als Prunk und goldene Kelche. Vielleicht sogar Besseres. Ich würde den Innenraum und vor allem die Seitenkapellen als künstlerisch beschreiben und das passt irgendwie zur Kreativität, die einem in Palmas Straßen begegnet. Die Kathedrale ist anders, bunter und moderner.

Am besten zu „modern“ (allerdings wohl am wenigsten zu „bunt“) passt mit Sicherheit die Seitenkapelle von Miquel Barceló. Der mallorquinische Künstler hat die Wände und Fenster gestaltet – und zwar in einem farbenfrohen Schwarz. Das ist gewöhnungsbedürftig und auch eher nicht die Art, wie ich die Kapelle gestaltet hätte, wenn mich jemand gefragt hätte. Aber gut, interessant ist es in jedem Fall.

Auf verschiedenen Internetseiten liest man den Reise-Tipp, zu einem Gottesdienst in die Kirche zu gehen. Nicht unbedingt, weil diese hier besonders gut oder bekehrend sein sollen, sondern in erster Linie, weil man dann keinen Eintritt bezahlen muss. Zugegebenermaßen, das war auch meine erste Motivation an einem Sonntagvormittag herzugehen. Aber das hat sich irgendwie geändert, als ich in der Kathedrale stand. Die Akustik und die Stimmung in der Kathedrale, wenn sie voller Menschen ist, müssen unglaublich sein. Und so wartete ich darauf, dass es losgeht – vergeblich. Nichts begann. Ehrlich gesagt, war ich am Ende sogar ein bisschen enttäuscht, keinen Gottesdienst miterlebt zu haben.

Das Treiben vor der Kathedrale ist fast so sehenswert wie ihr Innenraum. Ich glaube, der Bereich vor der Kirche ist so ziemlich der größte Handelsplatz der Insel. Handeln in dem Sinne, dass hier ein Verkäufer neben dem anderen seine Decke ausgebreitet hat, auf der dann mehr oder weniger alles angeboten wird: Taschen, Portemonnaies, Sonnenbrillen – RayBerry oder ReyBen sind natürlich auch mit dabei -, singende Puppen, Hüte und viel mehr. Der neue Verkaufsschlager sind ganz klar Selfie-Sticks. Überraschenderweise scheinen sie sogar zu funktionieren, zumindest sehe ich einige Leute fröhlich damit ihre Fotos schießen.

Die Kathedrale ist für mich nicht das absolute Reise-Highlight der Inselhauptstadt, sondern einer der Punkte, die Palma ausmachen. Wer Palma kennen lernen will, muss definitiv mehr sehen als nur La Seu. Aber ich gebe es zu: Wer Palma kennen lernen will, kommt gleichzeitig nicht an der Kathedrale vorbei. Manchmal muss man seine Meinung eben ändern, auch, wenn man ständig belehrt wird: „Sei dir selbst treu“. Aber dazu gehört für mich auch, sich einzugestehen, dass das Leben und wir uns mit jedem Tag ein Stück verändern. Und das etwas, nur weil wir es einmal gedacht haben, nicht auf ewig gültig sein muss. Also, erinnern wir uns dran, dass Irren menschlich ist und, dass Stolz und Sturheit die Welt nur in den größten Ausnahmen besser machen. 

Ausflüge


Herzlich willkommen auf der Insel des Lichts! Mallorca ist ein Paradies auf Erden, das alles bietet, auf höchstem Niveau. In Mallorquíssimo zeige ich Ihnen „meine“ Insel so, wie ich sie in über 19 Jahren kennen und lieben gelernt habe.

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