Fornalutx – Ein Dorf voll wilder Unschuld

» Es ist wichtiger, dass jemand sich über eine Rosenblüte freut, als dass er ihre Wurzel unter das Mikroskop bringt. «  – Oscar Wilde

Eine der wichtigsten Lektionen, die mir Mallorca erteilt hat, war: Einfach zu genießen und nicht immer verstehen zu müssen, zu wollen. Einfach genießen, dass Fornalutx, trotz Winter, in strahlender Blüte steht. Das alles farbenfroh ist und voller Blätter, obwohl ich den Winter mit kahler Tristheit verbinde.

Fornalutx wurde angeblich schon mehrfach als schönstes Dorf Spaniens ausgezeichnet und man kann sich die Frage stellen, wie das möglich ist, wo Deiá doch das schönste Dorf Mallorcas sein soll. Am besten, man verlässt sich auf keine Reiseführer oder Internetrezensionen, sondern findet einfach selbst heraus, welches sein Favorit ist. Fest steht: Wer krampfhaft nur nach den Superlativen sucht, dem wird das wirklich Schöne garantiert entgehen.

Ob es nun das schönste Dorf ist oder nicht: Fornalutx ist in jeden Fall der steilste Ort, den ich hier besucht habe. Statt Straßen gibt es hier vielfach Treppen, die sich den Berg hochschlängeln. Wie man es von Mallorcas Dörfern kennt, sind die Straßen – oder in dem Fall Treppen – von Pflanzen umsäumt. Allerdings stehen nicht nur einfach Blumentöpfe an den Rändern der Gassen, es wachsen ganze Sträucher und kleine Bäume hier. Statt perfekt und geordnet ist Fornalutx wild und ungezähmt. Es wirkt nicht künstlich, sondern einfach, als ob es genau hier hergehört.

Vielleicht habe ich auch diesmal stärker den Eindruck, weil ich nicht mit dem Auto oder Bus nach Fornalutx komme, sondern wandere. Von Sóller aus kommend, läuft man zwischen Orangen- und Zitronenbaumplantagen entlang, zu allen Richtungen das Tramuntana-Gebirge. Fornalutx ist unterbricht die Natur nicht, sondern wird einfach von ihr umflossen und durchzogen.

Fornalutx erscheint noch ein Stück historischer, als die anderen Dörfer. Die Häuser wirken älter, die Gassen sind noch ein bisschen enger und verschlunger, man findet alte Mauern aus scheinbar locker übereinander gelegten Steinen. Der arabische Einfluss auf die Struktur und Gestaltung der Altstadt ist unverkennbar. Ebenso wie bei dem wenig spanisch klingenden Namen, der übersetzt so viel wie “Licht des Ofens” bedeutet. Längst vergangene Geschichte ist auf einmal nicht mehr weit weg, sondern gegenwärtig und greifbar.

Für Menschen, die noch nicht hier gewesen sind, mag es schwer vorstellbar erscheinen, wie man sich immer und immer wieder für die kleinen Dörfer begeistern kann.  Aber es ist einfach, als ob man immer wieder in eine andere Welt gezogen wird. Die Dörfer wirken noch so unberührt, von dem, was in der Welt an Leid, an Krieg, an Katastrophen passiert. Mallorca und ganz Spanien kämpfen gegen die Arbeitslosigkeit, aber das wirkt weit weg hier.

Wahrscheinlich ist es eigentlich das ganze Gegenteil. Es ist anzunehmen, dass ein Dorf mit rund 700 Einwohnern nicht allzu viele Arbeitsplätze zu bieten hat. Aber es liegt einfach eine so unschuldige, friedliche Stimmung in den Straßen, die einen nicht weiter über die Realität nachdenken lässt. Ja, wild, und unschuldig. In Fornalutx geht das irgendwie zusammen.

Man kann und darf das wahre Leben abseits der bunten Blumen nicht vergessen, das ist klar. Aber dem Leben ab und an zu entfliehen, das ist denke ich erlaubt. Und es ist immer wieder schön an Orte zu kommen, die einem, wie auch immer, wieder an das Gute glauben und das Schlechte vergessen lassen. Deshalb reise ich immer wieder gerne in diese Dörfer, deshalb hat jedes mallorquinische Dorf etwas Magisches.

Ausflüge


Herzlich willkommen auf der Insel des Lichts! Mallorca ist ein Paradies auf Erden, das alles bietet, auf höchstem Niveau. In Mallorquíssimo zeige ich Ihnen „meine“ Insel so, wie ich sie in über 19 Jahren kennen und lieben gelernt habe.

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